Kick-off in Potsdam: Mittelstand 4.0 auch in Berlin-Brandenburg

18. Sep 2019

Impressionen von der Auftaktveranstaltung der INITIATIVE DIGITAL vom 9. September 2019. In Potsdam fand die erste offizielle Veranstaltung der INITIATIVE DIGITAL in Berlin-Brandenburg statt, um über Wegleitung, Beratung und Schulung für den regionalen Mittelstand zu informieren.

Am 9. September 2019 startete die INITIATIVE DIGITAL (ID) mit ihrem „Kick- Off“-Abend ihr offizielles Wirken in der Region Berlin-Brandenburg, zu Gast bei der Postbank in Potsdam, um ihr erklärtes Ziel dem Mittelstand in der Fläche darzustellen: Auch abseits der Ballungszentren sollen Unternehmen fit für die Digitale Revolution gemacht werden. Hierzu werden KMU-Repräsentanten, Vertretern aus Politik und Administration der Landkreise sowie regionalen Verbandsvertretern jene Basis und Megatrends erläutert, welche als „Game-Changer“ für die Wertschöpfung 4.0 gelten und von zunehmend höherer Relevanz auch für den Mittelstand sind.

Digitalisierung? Ohne Internet undenkbar!

Mathias Müller begrüßte namens der Postbank Firmenkunden AG die Versammlung und erinnerte daran, dass die Postbank sich immer auch als Pionier auf dem Gebiet der Digitalisierung gesehen hat – als Beispiel aus der Post-Vergangenheit benannte er den 1977 auf der „Internationalen Funkausstellung“ in Berlin vorgestellten Bildschirmtext (kurz Btx).

Sabine Zimmermann griff als Repräsentantin der ID diesen Rückblick auf und betonte, dass Digitalisierung im 21. Jahrhundert ohne Internet nicht mehr denkbar sei. In der Regel finden die „Kick-off“-Abende der ID laut Zimmermann immer zu Gast bei Landräten statt – die Gastgeberschaft einer Bank an diesem Abend in Potsdam sei somit eine Premiere. Sie unterstrich die neutrale Position der ID im wirtschaftspolitischen Kontext, dankte dem Gastgeber und richtete die Bitte an die Anwesenden um ein Feedback zur Ermittlung des hiesigen Bedarfs an Information, Schulung und Beratung.

Digitalisierung und Vernetzung: Megatrends mit Herausforderungen und Chancen

Der ID-Botschafter für Berlin-Brandenburg und Organisator der Auftaktveranstaltung, Carsten Pinnow, stellte den rasanten Wandel der Randbedingungen an den Beginn seines Impulses zur Digitalisierung: Neue Entwicklungen seien eigentlich immer schwer zu prognostizieren. Wer kann laut Pinnow schon sicher voraussagen, was nur ein vorübergehender „Hype“ ist und was sich durchsetzen wird... Gerade angesichts dieser Unsicherheit empfahl er wachsam zu sein und die „Augen offen“ stets zu halten.

Die sogenannte Digitalisierung sei nämlich ganz offensichtlich unaufhaltsam – „es ist aber notwendig, diesen viel genutzten Begriff zu definieren und im Kontext anderer Megatrends zu betrachten“. Die Vernetzung sollte z.B. ebenfalls immer mit bedacht werden.

Es sei essenziell für die deutsche Volkswirtschaft, auch in Zukunft den Mittelstand „an Bord“ zu behalten, auf dass dieser weiter als Wertschöpfer den Wohlstand im Lande erhalten könne. Man müsse in diesem Zusammenhang durchaus die „Finger in die Wunde“ legen und auf die in Deutschland unzulängliche Infrastruktur hinweisen – etwas hinsichtlich der Versorgung mit Rechenzentren in der Fläche. Vor allem Aus- und Weiterbildung seien daneben die zentralen Erfolgsfaktoren für die Digitale Revolution. Pinnow erinnerte an Prof. Dr. Henning Kagermann von der acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, welcher geradezu beschwörend zur Nutzung der Chancen der Industrie 4.0 aufgerufen habe – für den Mittelstand gehe es nun auch darum, die Transformation zur „Fabrik der Zukunft“ erfolgreich zu bewältigen.

Er wollte aber nicht immer nur die Risiken betonen, weshalb Pinnow die offenbaren Mehrwerte der Digitalisierung und Vernetzung anriss: „Predictive Maintenance“, Produktion individualisierter Bauteile bzw. kleiner Losgrößen (1), effizientere Ressourcennutzung sowie Verkürzung der Entwicklungs-, Anfahrts- und Rüstzeiten... Sein Appell: „Es ist jetzt Zeit zu handeln – es darf kein weiteres Abwarten mehr geben.“ Für die bevorstehende Phase der Transformation benötige man Fachkräfte, war nun eine weitere drängende Herausforderung sei. Zum Abschluss äußerte er sich noch kritisch zur oftmals gehypten Webplattform-Wirtschaft, welche manchmal über Jahre noch gar kein Geld verdient habe, aber zu einer Marktverzerrung – eben zu Lasten vor allem des Mittelstands – führe. Er ließ keinen Zweifel an der Notwendigkeit, sich auf den Weg zu machen, denn die sogenannte Digitalisierung werde stattfinden – „mit oder ohne die KMU!“

KfW-Fördermittel für Innovationen: Hausbank als Ansprechpartnerin

In seinen Impuls zu Finanzierungsfragen führte Gastgeber Mathias Müller aus, dass in den KMU die Digitalisierung zur „Chefsache“ werde – daher legte er den mittelständischen Entscheidern nahe, sich bei ihrer Hausbank nach Förderungsmöglichkeiten der KfW zu erkundigen. Die Postbank z.B. helfe ihren Firmenkunden, Förderprogramme zu sichten und ein möglichst passendes auszuwählen.

Bereits die Erstellung einer neuen Website, um verändertem Nutzerverhalten mit verstärkt mobiler Nachfrage gerecht zu werden, kann demnach u.U. gefördert werden. Die zeitgemäße Anpassung eines Webshops, die Digitalisierung der Buchhaltung mittels elektronischer Erfassung aller Belege oder der Lagerhaltung könnten gleichermaßen – bei Erfüllung der Voraussetzungen – als Innovation bewertet und unterstützt werden. So könne ein KfW-Innovationskredit bereits bei 25.000 Euro starten. Zu überlegen sei ohnehin, ob nicht eine Förderung in Zeiten der Niedrigzinsen betriebswirtschaftlich vernünftiger sei als die Finanzierung aus dem eigenen Cashflow.

Für Mittelständler und Freiberufler reiche die Spanne von 25.000 bis 25 Millionen Euro. Dabei könnten die Laufzeiten bei fünf, sieben oder zehn Jahre liegen, ggf. mit tilgungsfreiem Anlauf. Eine dingliche Sicherung sei oftmals nicht notwendig. Noch seien die „KfW-Töpfe“ nicht ausgeschöpft. Gute Bonität vorausgesetzt, könne die Verzinsung unter einem Prozent betragen.

Im Fokus: Verfügbarkeit der IKT-Infrastruktur und der Mensch

Aus Frankfurt/Main wurde per Skype-Viedeokonferenz Andreas Sturm, „Chief Business Development Officer“ bei DE-CIX, zugeschaltet, um die Herausforderungen an die IKT- Infrastruktur durch wachsende Datenvolumina darzustellen. Er nannte als Beispiel große, global zu übertragende Sportereignisse. Aufgrund der Latenzzeiten sei es notwendig, Rechenzentrum relativ nahe beim Kunden, also in dessen Region, anzusiedeln. Er zeigte hierzu ein Beispiel aus der Telemedizin: Ein per Fernsteuerung zu bedienender chirurgischer Roboter vertrage keine lange Latenz. Ferner komme dem Vernetzungsgrad große Bedeutung zu – es müsse deshalb im ganzen Land auch regionale Knotenpunkte geben.

Einige Grundsatzinformationen zum Thema Datensicherheit stellte im Anschluss Carsten Pinnow dar und fokussierte dabei zunächst ganz bewusst nach Sturms Ausführungen auf die Verfügbarkeit. Weiterhin seien die Integrität und die Vertraulichkeit wesentliche Grundanforderungen – und zwar hinsichtlich Soft- und Hardware sowie sogenannter Orgware (z.B. Datenblätter, Prozessbeschreibungen, Vertragswerke, Notfall- und Wiederanlaufpläne).

Um nun eben Systeme mit ihren Komponenten und deren Betrieb sicher zu gestalten und zu halten gelte es, sich nachdrücklich dem „Faktor Mensch“ zu widmen, dann der Organisation und letztendlich der Technologie. Pinnow appellierte abschließend, insbesondere bei der Cloud- Nutzung auf die eigene Datensouveränität Wert zu legen (Verschlüsselung und inländischer Standort).

Kostenloser Schnell-Check für Websites auf Sicherheitslücken mit SIWECOS

Als Repräsentant des eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. griff Michael Weirich die Datensicherheitsproblematik auf: Websites seien laut einer aktuellen eco-Studie regelrechte „Einfallstore“ für Cyber-Angriffe, denn 97 Prozent solcher Attacken erfolgten über Sicherheitslücken in der Standardsoftware.

Die Bedrohung ist nicht nur vordergründig, denn wer eine mutmaßlich unsichere Website betreibt, kann offensichtlich auch schnell Reputationsprobleme bekommen – denn Google warne vor solchen als „unsicher“ eingestuften Webseiten, betonte Weirich.

Daher sei der Website-Check „SIWECOS“ im Rahmen der BMWi-Initiative „IT-Sicherheit in der Wirtschaft“ eingerichtet worden, um kostenfrei Schwachstellen aufzuspüren. Demnach geben nach Eingabe einer URL auf der Website „siwecos.de“ die Scanner nach einigen Sekunden in Grün, Gelb und Rot Ergebnisse zu Sicherheits-Aspekten aus und erläutern diese. Nach Weirichs Kenntnissen ist der Betrieb dieses Angebots jedenfalls für die kommenden Jahre gesichert.

Autor

Carsten Pinnow
ID-Botschafter Berlin | Brandenburg
Helmholtzstraße 2-9 Aufgang D
10587 Berlin

Autor Dipl.-Ing. Dirk C. Pinnow ist zusammen mit ID-Botschafter Dipl.-Ing. Carsten J. Pinnow Herausgeber des Web-Magazins „datensicherheit.de“. Beide sind zudem Gründungspartner des Clusters Industrie 4.0 (CI4) und Leiter des VDI/VDE-Arbeitskreises Sicherheit (AKSi) in Berlin-Brandenburg.

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